Chronik

Chronik 2017-07-28T15:13:55+00:00

Die Chronik des Liederkranz Calmbach

bis 1860
In Schwäbisch Hall entstand 1817 der älteste
Gesangverein in Deutschland. Im Laufe des 19. Jahrhunderts breitet sich die Idee eines Vereins immer mehr aus. Da Versammlungen der Obrigkeit oft verdächtig erschienen, waren auch Ver- einsgründungen nicht immer gerne gesehen. Nach der gescheiterten Revolution 1848 rollte eine regelrechte Turn- und Gesangsvereinsgründungswelle durch Deutschland.
Schon vorher gab es Versuche, in Calmbach einen Gesangverein zu gründen. Pfarrer Carl Maximilian Eifert schreibt in seiner „Geschichte von Calmbach und Höfen“ 1859 auszugsweise wie folgt:
„Damals suchte sich ein Gesangverein zu bilden, zu dessen Hebung sogar im Herbst 1841 ein Gesangfest veranstaltet wurde, zu welchem die Nachbarschaft eingeladen war.“
… „Leider hat aber dazu die Lust gefehlt, da das Weltgeschrei sich von selber lernt.“
Natürlich wurde in der Kirche und Schule gesungen. Leider ist es nicht mehr möglich, die 150 Jahre V ereinsgeschichte vollständig bis zu ihren Anfängen zurück zu verfolgen, da keine Aufzeich- nungen des Vereins und auch keine Archivunterlagen im Rathaus aufgefunden wurden. Es ist aber überliefert, dass 1860 die Gründung des Liederkranz von sangesfreudigen Männern erfolgt ist.

1860 – 1869
Deutschland war damals noch nicht geeint. Es bestand aus vielen Fürstentümer und den größeren Königreichen Württemberg, Bayern, Sachsen und Preußen. Das Nachbarland im Westen war das Großherzogtum Baden, regiert von Großherzog Friedrich I.. Souverän in Württemberg war König Wilhelm I, in 3. Ehe mit Pauline von Württemberg verheiratet.
In Calmbach amtierte Schultheiß Hosch von 1858-1880, der zugleich auch Ratsschreiber war. Neben dem Gemeinderat gab es auch noch zusätzlich den Bürgerausschuss. Calmbach gehörte zum Oberamt Neuenbürg und stellte dort Deputierte zur Amtsversammlung.
Es ist ein kriegerisches Jahrzehnt. Vom amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) und der französischen Militärexpedition in Mexiko nimmt man in Calmbach aber kaum Notiz. Beherrschendes politisches Thema ist die deutsche Einigung.
1864 führt Preußen den ersten sog. „deutschen Einigungskrieg“ gegen Dänemark. An der Seite Österreichs zieht Württemberg 1866 in den „deutschen Krieg“ und verliert gegen Preußen.
Im selben Jahr stellt Alfred Nobel erstmals Dynamit her. Revolutionäre Verkehrsprojekte stehen am Ende des Jahrzehnts. Am 11. Juni 1868 wird die Enztalbahn eröffnet, 1869 der Suez-Kanal.

1870 – 1879

Schon wieder Krieg, diesmal kämpft das Kö- nigreich Württemberg an der Seite Preußens gegen Frankreich. Ob auch Vereinsmitglieder dabei waren, ist nicht bekannt. Der Krieg endet 1871 mit der Gründung des Deutschen Reiches. Auch in Calmbach wird die „Mark“ als Währung und 1872 das metrische Maßsystem eingeführt. 1878 beschafft sich der Verein eine Fahne zum Preis von 105,- Mark, um die sich eine kleine Anzahl Sänger scharte. Gemessen an den übrigen Ausgaben war dies ein enormer Betrag. Ein Fass Bier mit 30 Litern kostete 6,60 Mark.

1880 – 1889

Für die 1878 erworbene Vereinsfahne wird 1882 für 15,- Mark ein Fahnenkasten gekauft. Für das Fehlen in der Singstunde muss ein Sänger 50 Pfennig in die Ausflugskasse zahlen. Mit 20 Pfennig schlägt eine Verspätung von 5 Minuten zu Buche. Am 10.4.1880 wird in Calmbach die freiwillige Feuerwehr gegründet.

Am 14. und 15. Juni 1885 feiert der Liederkranz bei bestem Wetter sein 25-jähriges Jubiläum. Unter der Beteiligung zahlreicher Gastvereine aus den umliegenden Orten gab es einen stattlichen Festumzug durch den Ort und eine Festveranstal-tung auf dem Festplatz (etwa im Bereich der heutigen Enztalhalle).

1888 stirbt Kaiser Wilhelm I. in Berlin. Sein Nachfolger wird sein Sohn Friedrich III, der nach nur 99 Tagen Regentschaft ebenfalls stirbt. Die Krönung seines Sohnes Wilhelm II. macht das Jahr zum „Dreikaiserjahr“.

1890 – 1899

Viele technische Neuerungen entstehen in diesem Jahrzehnt, die bald auch in Calmbach das tägliche Leben verändern werden: Daimler baut die ersten Lastwagen und Omnibusse, die ersten großen Telefonverbindungen werden eröffnet.

Beim Brand der Calmbacher Stadtmühle am 14. April 1893 verbrennen in der darin gelegenen Wohnung des damaligen Dirigenten Martin alle Noten und Aufzeichnungen des Vereins.

Die Mitgliederzahl des Vereins steigt deutlich an und der V erein besucht fleißig Sängerfeste benachbarter Vereine und andere Veranstaltungen. Am 18. Juni 1893 wird beim Gaufest in Unterreichenbach der 4. Platz belegt. Am 4. Juli 1895 gewinnt der Liederkranz erstmals mit dem Chorsatz „Morgenroth“ einen 1. Preis beim Gausänge fest in Birkenfeld.

Am 27. Juni 1897 richtet man erstmals ein Sänger- fest in Calmbach aus, von dem berichtet wird, dass es gründlich verregnet war und dem Verein ein Defizit von 31,67 Mark entstand. Beim Gaufest am 2. Juli 1899 in Gräfenhausen erreicht man den 2. Preis mit dem Chorsatz „Ich habe den Frühling gesehen“.

Zeppelin über Calmbach. An der rot markierten Stelle steht heute das Sängerheim

1900 – 1909

Es beginnt ein Jahrzehnt des technischen und wirtschaftlichen Fortschritts. Max Planck und Albert Einstein revolutionieren die Physik. Über dem Enztal ist der erste Zeppelin zu sehen. Deutschland wird zum Industriestaat. Auch im Enztal geht es wirtschaftlich bergauf. In Wildbad steigen die Gästezahlen ab 1900 auf jährlich über 20.000, die oft viele Wochen bleiben und viel Geld ins Enztal bringen.

Viele neue Bauten werden errichtet, die Garten- und Lesehalle (1900) beim Rosarium, Umbauten der Trinkhalle (1904), das Olgabad (1907) und das neue, ganz vom Jugendstil geprägte Kurhaus (1910) entstehen. Außerdem wird 1908 eine Berg- bahn als Standseilbahn zum Sommerberg und 1909 das Sommerberghotel eröffnet.

Nachdem die Lutz’sche Kunstmühle im Calmbachtal 1901 abbrannte, das Gebäude auf dem Grundstück mit den Wasserkraft-Rechten jedoch erhalten blieb, hat Alfred Gauthier diese erworben. 1902 zieht er aus Pforzheim mit fünf Mitarbeitern und einigen Maschinen ins Enztal. Calmbach wird so zum Industriestandort. 1904 werden dort die ersten Kameraverschlüsse gebaut.

Der Liederkranz nimmt am 12. Juni 1904 am Preissingen in Bad Liebenzell und 27. Juli 1908 am Gausängerfest in Obernhausen teil, wo der 2. Preis im „höheren Volksgesang“ erreicht wird.

Olgastraße in Wildbad um 1900.

50jähriges Jubiläum am 26. Juni 1910

1910 – 1919
Bis zum 1. Weltkrieg erreicht das Vereinsleben seinen vorläufigen Höhepunkt. Am 26. Juni 1910 wurde mit großem Aufwand das 50-jährige Jubiläum gefeiert. Zum Transport der über 1000 Teilnehmer aus 23 Vereinen am Wettsingen wurden sogar Sonderzüge eingesetzt. Das Preissingen fand leider bei sehr schlechter Witterung statt. Das Kinderfest tags darauf konnte aber dann bei schö- nem Wetter stattfinden.
Am Gausängerfest in Höfen (25. Juni 1911) und am Preissingen in Mühlacker (10. August 1913) konnte der Verein mit einem 1a- und einem 1c- Preis sein musikalisches Niveau bestätigen.
Mit Beginn des 1. Weltkrieges kam das Vereinsleben weitgehend zum Erliegen. Der Verein sang bei den Trauerfeiern in der Kirche. Ebenso wurde in den Lazaretten in Wildbad für die Kranken und Verwundeten gesungen.
Acht aktive Sänger bezahlten ihren Kriegseinsatz mit dem Leben.

1920 – 1929
Auch zwei Jahre nach dem Ende des Krieges herrscht in Calmbach bittere Not. Das Vereinsleben ist noch stärker eingeschränkt als während des Krieges.
Eine zunehmende Inflation, die sich zu einer Hyperinflation im Jahr 1923 steigert und ein unruhiges politisches Klima in Stuttgart und Berlin verhindern zunächst jeden Wiederaufschwung. Die Einführung der Rentenmark stoppt die galoppierende Inflation und ab 1924 setzt eine Phase wirtschaftlicher Aufwärtsentwicklung und politischer Beruhigung ein, die auch wieder Vereinsaktivitäten zulässt.
Der Liederkranz organisiert wieder Konzerte und Ausflüge, und nimmt erfolgreich an Sängerfesten und Wettsingen teil. Sehr beliebt sind auch die Aufführungen der Theatergruppe des Liederkranz.
In diese Zeit der „goldenen 20er“ fallen auch spektakuläre technische Neuerungen wie der erste Non-Stop Flug über den Atlantik (1927) und die ersten funktionierenden Dauerwellengeräte.
Am „schwarzen Freitag“, dem 25. Oktober 1929, kommt es zu drastischen Kursverlusten an der New Yorker Börse, die auch die Wirtschaft in Deutschland mitreißen. Es beginnt die Weltwirtschaftskrise.
Die Fa. Gauthier beschäftigt nur noch wenige Arbeiter. In Calmbach wird zur Speisung der Kinder von Arbeitslosen eine Notstandsküche eingerichtet.

Ausflug nach Herrenalb am 29. Mai 1924

1930 -1939
Mitten im Krisenjahr 1930 wird im Rahmen des Gauliederfestes das 70-jährige Jubiläum gefeiert. Im selben Jahr wird auch der Frauenchor gegründet. Bei gemeinsamen Auftritten (Frauenchor, Männerchor und Streichorchester) hat der Liederkranz über 100 Mitwirkende auf der Bühne.
Am 7. Mai 1931 wird Calmbach von einer großen Überschwemmung heimgesucht, bei der weite Teile des Ortes überschwemmt werden. 1932 wird die Turnhalle, 1935 das Freibad gebaut.
Als die wirtschaftliche Lage anfängt, sich zu verbessern nimmt der Verein wieder an weiter entfernten Sängerfesten teil: 1932 mit einer Abordnung beim Deutschen Bundessängerfest in Frankfurt am Main, 1934 beim Bundessängerfest in Heilbronn, 1938 beim Schwäbischen Sängerfest in Stuttgart. 1935 wird der Flügel gekauft, der noch heute im Sängerheim genutzt wird.
Unter der Nazi-Herrschaft ab 1933 scheint die Krise zunächst überwunden, gleichzeitig versuchen Staat und Partei Einfluss und Kontrolle über alle Vereine zu bekommen.
Auch der Liederkranz spürt diesen Druck. Neben Propaganda bringt der Rundfunk und der Tonfilm auch viel Musik ins Alltagsleben. Der Schlager beginnt das Volkslied zu verdrängen.
Die Phase relativer wirtschaftlicher Stabilität endet 1939 jäh mit dem deutschen Überfall auf Polen. Die ersten jüngeren Sänger müssen zur Wehrmacht. Der Frauenchor und die Sänger der noch nicht eingezogenen Jahrgänge, halten das Vereinsleben aufrecht. Von direkten Kriegseinwirkungen bleibt Calmbach aber noch ein paar Jahre verschont.

Festumzug zum 70-jährigen Jubiläum 15. Juli 1930

1940 – 1949
Im Frühjahr 1940 greift das Deutsche Reich Dänemark und Norwegen an, es folgt der so genannte Westfeldzug gegen Frankreich. Später beginnen deutsche Luftangriffe auf Großbritannien. Mit den Angriffen Deutschlands auf die Sowjetunion und japanischer Truppen auf Pearl Harbor 1941 erreicht das Kriegsgeschehen alle Erdteile.
Am 25. November 1940 veranstaltet der Liederkranz einen Unterhaltungsabend und hält dabei Rückblick auf sein 80-jähriges Bestehen. Nachdem dann aber immer mehr Jahrgänge eingezogen werden, beschränkt sich das Vereinsleben – wie schon im 1. Weltkrieg – auf die Teilnahme an Trauerfeiern und auf Gesangsdarbietungen in den Lazaretten Wildbads. Acht aktive Sänger sterben im Kriegseinsatz
Die ersten Atomwaffen werden von der US-Luftwaffe im August 1945 auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen, als der der Krieg in Europa glücklicher Weise schon vorüber ist; hier bleibt es bei konventionellen Bomben.
Von verheerenden Luftangriffen wie in Coventry oder Pforzheim bleibt das Enztal aber verschont. Es gibt zwar bei der Besetzung Calmbachs im April 1945 durch französische Truppen kleinere Artilleriegefechte und einen Jagdbomberangriff auf das Bahnhofsgelände; die Zerstörungen halten sich aber in Grenzen.
Der Flügel und die Noten des Vereins bleiben erhalten, lediglich die Vereinsfahne geht verloren. Die Ernährungslage ist in der französischen Zone prekär. Man schaut zum Teil neidisch in die amerikanische Zone nach Pforzheim, wo die Versorgung etwas besser ist. Noch 1945 wird die Enztalbahn wieder in Betrieb genommen.
Aufgrund von Differenzen der Besatzungsmächte ist die amerikanische Zone zunächst aber nur schwer erreichbar, es kommt sogar fast zu Gefechten zwischen amerikanischen und französischen Truppen.
Auf Anordnung der Militärregierung werden alle Vereine aufgelöst. Der Liederkranz muss neu gegründet und genehmigt werden.
Trotzdem findet bereits am 5. November 1945 wieder eine Ausschusssitzung statt; und noch vor der offiziellen Neugründung am 13. Oktober 1946 tritt der Männer- und der gemischte Chor anlässlich eines Wohltätigkeitskonzertes zu Gunsten des sozialen Hilfswerkes am 7. April 1946 erstmal
nach dem Kriege wieder auf.
Bei der Einführung der D-Mark in den Westzonen am 20. Juni 1948 schmilzt zwar der letzte Rest des Vereinsvermögens vollends dahin, doch langsam beginnt eine wirtschaftliche Erholung.
Der Erste Ausflug nach dem 2. Weltkrieg führt zu einem Besuch des Liederkranz Oberkollbach am 10. Juli 1949.

Nahezu alle Veranstaltungen des Liederkranz fanden früher im Gasthaus zum Bahnhof, dem späteren Hotel Birkenhof in Calmbach statt.

1950 – 1959
Während für die USA der Krieg in Korea und für Frankreich in Indochina weitergeht, beginnt in Deutschland das „Wirtschaftswunder“.
Zum 90-jährigen Jubiläum im Oktober 1950 wird eine neue Vereinsfahne geweiht. Am 4. Juni 1950 nimmt man in Gräfenhausen und am 27. Juli 1950 in Conweiler wieder an Wertungssingen teil. Es folgen viele Besuche bei Jubiläen und Sängerfesten in der näheren Umgebung und 1959 beim Liederfest des Schwäbischen Sängerbundes in Ulm.
Am 4. Oktober 1957 beginnt das Raumfahrtzeitalter, als die Sowjetunion vom Weltraumbahnhof Baikonur (heute Kasachstan) aus den ersten Satelliten startet. Die USA starten ihren ersten Satelliten am 1. Februar 1958. Fernsehen und UKW- Rundfunk verbreiten sich und fangen an, den Vereinen durch ihr häusliches Unterhaltungsprogramm Konkurrenz zu machen.
1954 wechselt das Streichorchester Calmbach mit 25 Aktiven vom Liederkranz zum Musikverein. Es entsteht die „Orchestervereinigung Calmbach“.
Auch in Calmbach ist das Wirtschaftswunder angekommen. 1959 produzieren bei der Fa. Alfred Gauthier 3.200 Mitarbeiter täglich bis zu 10.000 Verschlüsse.

Frauenchor in Gräfenhausen am 4. Juni 1950

1960 – 1969
Vom 29. Juli bis zum 1. August 1960 feiert der Verein sein 100- jähriges Jubiläum, verbunden mit dem Gauliederfest des Enzgaus (heute Chorverband Enz). 1700 Sängerinnen und Sänger beteiligen sich beim Wertungssingen.
Beim Festbankett überreicht Regierungspräsident Birn die von Bundespräsident Heuss gestiftete Zelter-Plakette.
Der anschließende Festzug übertrifft mit einer Länge von zwei Kilometern und meh- reren hundert Teilnehmern alle bisherigen Festzüge in Calmbach. Das großartige Festwochenende wurde am Montag noch durch ein Kinderfest, ebenfalls mit einem großen Festumzug, verlängert.
1961 fliegt Juri Gagarin als erster Mensch ins All, 1962 folgt ihm der Amerikaner John Glenn.
In Berlin wird 1961 die Mauer gebaut und die Kuba-Krise bringt 1962 die Welt an den Rand des dritten Weltkrieges.
Die Beatles führen mit I Want To Hold Your Hand von Januar bis April 1964 die Hitliste in Deutschland an. 1966 wird in Deutschland Farbfernsehen einge- führt. Am 10. Juli 1968 fegt ein Tornado über Pforzheim und beschädigte etwa 1.750 Häuser.
Um den Liederkranz speziell auch für jüngere Sängerinnen und Sänger attraktiv zu halten, gründet der damalige Chorleiter Volkmar Müller Deck den „Kleinen Chor“, der schon bald große Erfolge verzeichnen konnte.

Die spätere Chorleiterin Marianne Hiebel als Blumenkind beim Festumzug zum 100-Jährigen Jubiläum am 1. August 1960

1970 – 1979
Der Liederkranz beginnt unter der Leitung von Günter Klüh mit der Tradition der Weihnachtskonzerte und erweitert erfolgreich sein Repertoire in Richtung sakraler Musik. Es ist ein Jahrzehnt reichhaltigster Vereinsaktivitäten.
Der Verein organisiert einen Volkslauf rund um Calmbach, Sommernachtsfeste zusammen mit dem Kleintierzüchterverein und Grillfeste.
Der Tourismus im Nordschwarzwald erlebt seinen bisher absoluten Höhepunkt. Der Liederkranz organisiert „Bunte Abende“ für die Kurgäste in der Turnhalle und singt bei Kurkonzerten. Alljährlich findet bis heute in der Enztalhalle eine Abendunterhaltung statt, bei der von Volksliedern über Opernchöre bis zu Operettenquerschnitten aufwendige Aufführungen durchgeführt werden.
Auf der politischen Bühne regiert die Entspannung. Willi Brandt erhält für die Ostverträge den Friedensnobelpreis (1971), der Krieg in Vietnam endet (1975) und es wird der erste israelisch-ägyptische Friedensvertrag geschlossen.
Deutschland ist Gastgeber für sportliche Großereignisse: der Olympischen Spiele in München 1972, und der Fußball-WM 1974. Die Ölkrise 1973 und die Sicherheitsmaßnahmen nach der Terrorismuswelle 1977 dringen direkt bis in den Alltag der Calmbacher vor. Der absolute „lokalpolitische Aufreger“ ist jedoch die Gemeindereform. Die Zahl der Gemeinden in Baden-Württemberg wird von 3379 bis zum Jahr 1975 auf 1111 reduziert:
Calmbach wird ein Stadtteil von Bad Wildbad.
Aber es gibt auch große Skandale: den Bundesliga-Skandal, die Watergate- und die Guilliome- Affäre, die Willi Brandt das Amt kostet.
1974 kann der Verein eine ehemalige Gastarbeiterunterkunft vom Prontorwerk pachten und zum „Sängerheim“ ausbauen, das später als Eigentum erworben werden kann. Im selben Jahr ist der Liederkranz Gastgeber des Gautags des Enzgaus und empfängt über 700 Delegierte aus 60 Gesangvereinen in der neu erbauten Enztalhalle.
Der Verein beginnt, seine Jahresausflüge mehrtägig zu gestalten. Große Ausflüge führen den Liederkranz in die Schweiz, 1971 nach Roggwil, 1973 nach Melchnau.

„Schwarzwaldmädel“ in der Enztalhalle 1975

1980 – 1989
Am 12. Oktober 1980 wird bei einem großen Festkonzert das 120-jährige Bestehen des Vereins und das 50-jährige Bestehen des Frauenchors gefeiert. An diesem Abend stehen bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem „Liederkranz Wildbad“ und dem „Gesangverein Sprollenhaus“ alle drei Gesangvereine der Stadt Bad Wildbad auf der Bühne. In einer Chorstärke von 150 Aktiven wurde „O Täler weit, o Höhen“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy aufgeführt.
An 26. September 1980 explodiert auf dem Münchner Oktoberfest eine Bombe. Im gleichen Jahr marschieren sowjetische Truppen nach Afghanistan ein und die Partei „die Grünen“ wird gegründet.
Die Computertechnik breitet sich im Alltag aus. 1982 kommt mit dem Commodore 64 der erste Heim-Computer auf den Markt. 1984 kommt in Karlsruhe die erste E-mail Deutschlands an.
1985 ist das „Europäische Jahr der Musik“. Der Liederkranz steuert hierzu im Mai ein großes Chor- und Orchesterkonzert in der Enztalhalle bei. Im Juni wird das 125-jährige Jubiläum gefeiert. Es wirken mehrere Schulchöre und viele befreundete Vereine mit. Im Rahmen des Festprogramms wird auch ein Bunter Abend unter dem Motto „Im Krug zum grünen Kranze“ mit Ruth Mönch und Willi Seiler veranstaltet.
1986 ist das Jahr der kleinen und der großen Katastrophen: Im Januar explodiert die US-Raumfäre Challenger; sieben Astronauten kommen dabei ums Leben.
Im April havariert ein Kernreaktor in Tschernobyl. Hierbei werden Unmengen an radioaktiven Stoffen freigesetzt, die vom Wind nach Westen getragen wer- den, so dass auch in Calmbach umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden müssen.
Am 23. Juli 1986 wirft ein Tornado im Raum Calmbach auf einer 200-500 m breiten und ca. 10 km langen Bahn ca.70.000 Festmeter Sturmholz und verur-
sachte eine Kahlfläche von ca. 150 ha.
1988 wird der Liederkranz Sieger des 4. Regionalkonzertes des SDR-Chorwettbewerbs in der Trinkhalle, mit anschließendem Fernsehauftritt im Forum am Schlosspark im Ludwigsburg.
Ein Jahr später feiert die DDR noch ihren 40. Geburtstag während der Ostblock bereits begonnen hat, endgültig zu zerfallen. Am 9. November fällt die Berliner Mauer. Die Menschen in Ostdeutschland schaffen die erste erfolgreiche Revolution auf deutschem Boden. Der Weg zur Wiedervereinigung ist frei.
Der Liederkranz ist 1989 wieder im Fernsehen zu sehen. Dies- mal im NDR in der Sendung „Chorgesang vom hohen Norden bis zur Zugspitze“.

Fernsehaufnahmen 1989 in der Calwer Straße

1990 – 2000
Der Liederkranz tritt im Sommer 1990 auf der Landesgartenschau in Sindelfingen auf und führt am 8. Dezember 1990 ein Benefizkonzert zu Gunsten der Kinderklinik Schömberg durch.
Günther Klüh ist nun 25 Jahre Chorleiter in Calmbach und wird aus diesem Anlass durch die Stadt Bad Wildbad zum „Chordirektor“ ernannt.
Das „Mozartjahr“ 1991 wird mit einem Konzert in der Trinkhalle und einer Mozartmesse am 1. Weihnachtsfeiertag ausgiebig gefeiert. Nebenbei wird noch die Operette „Der Vogelhändler“ auf- geführt. Im selben Jahr wird Deutschland wiedervereinigt und die Sowjetunion löst sich auf.
Ein besonderer Erfolg wird die Aufführung des satirischen „Choricals“ „Wen die Götter lieben“ in historischen Kostümen.
Europa rückt immer enger zusammen, im Kleinen wie im Großen. 1993 unternimmt der Liederkranz eine Konzertreise zur französischen Partnergemeinde Cogolin und nimmt am europäischen Chortreffen in Brignoles in Südfrankreich teil.
Mit dem Schengener Abkommen entfallen ein Jahr später die Grenzkontrollen nach Frankreich.
Im Rahmen der „Chorbegegnungen im Landkreis Calw“ ist der Liederkranz (Männerchor Oberes Enztal) erstmals auf einer CD zu hören. 1997 nimmt der Verein am Kritik- und Wertungssingen in Mühlacker teil.

Männerchor „Oberes Enztal“ bei den „Chorbegegnungen im Landkreis Calw“ 19.März 1995

2000 – 2009
Am 11. September 2001 werden mit gekaperten Verkehrsflugzeugen verheerende Terroranschläge auf das World Trade Center und andere Ziele in den USA durchgeführt. 2002 wird der Euro eingeführt. Der Liederkranz bringt mit den Operetten Der Vogelhändler (2003) und Die Csárdásfürstin (2005) aufwendige Inszenierungen auf die Bühne. Ganz Europa schwitzt im Sommer 2003 unter einer großen Hitzewelle; auch in Calmbach werden fast 40°C erreicht.
2004 nimmt der Liederkranz am Calmbacher Seifenkistenrennen mit einem eigenen „Notenflitzer“ teil. Nach fast 40 Jahren gibt Günter Klüh die Leitung des Chors an Marianne Hiebel – bis dato langjährige Vize-Dirigentin – ab. Das Vereinsjahr wird durch einen tragischen Verkehrsunfall am Ende des Jahresausflugs überschattet.
Ein Vereinsmitglied wird nach dem Aussteigen aus dem Bus von einem PKW erfasst und stirbt.
Im Jahr 2005 wird das 75-jährige Jubiläum des Frauenchors gefeiert. Das Weihnachtskonzert 2006 glänzt mit Mozarts Krönungsmesse.
Gemeinsam mit der Orchestervereinigung Calmbach wird 2007 ein Benefizkonzert in der katholischen Kirche gegeben. Einen weiteren Gemeinschaftsauftritt gibt es im selben Jahr mit dem befreundeten Chor in Mainz-Kosteim.
Große Ausflüge bringen den Liederkranz 2008 nach Dresden und 2009 nach Budapest; die erste Flugreise des Vereins.

Der“Notenflitzer“ beim Calmbacher Seifenkisten- rennen am 8. Juni 2004

Vor der Semperoper in Dresden am 25. Mai 2008